"Politik? - Was geht mich das an!"

Diese Antwort gilt nicht für Johanna Tilsner. Die 17-jährige ist Vorsitzende der Jungsozialisten in Elze

Von wegen politikverdrossen. Johanna Tilsner im Gespräch

Geschrieben von Sven Appel (LDZ-Redakteur), erschienen am 13.02.2015 in der LDZ.

Facebook, Twitter und Co. sind aus dem Alltag der meisten Jugendlichen kaum mehr wegzudenken. Großes Interesse für Politik hingegen wird wohl den wenigsten Jugendlichen nachgesagt. Anders sieht das bei Johanna Tilsner aus: Die 17-jährige ist ein Beispiel dafür, dass es durchaus junge Menschen gibt, die sich einmischen und engagieren, die sich informieren und Dinge verändern wollen. Mit ein Grund könnte ihrer Ansicht nach der Politikunterricht an Schulen sein. "Den finden die meisten langweilig. Das kann viele verärgern", so ihre Vermutung. Und schmunzelnd ergänzt sie: "Auch ich konnte früher nur wenig damit anfiangen". Den Weg in die Nachwuchsorganisation der SPD fand sie über das Interesse am Schreiben, über das Zeitungslesen und schließlich politisch engagierte junge Elzer, die sie "einfach mal mitgenommen haben". "Der lockere Umgang miteinander bei den Treffen und dass man nicht hochgestochen reden oder sich gar schick anziehen muss, hat mir sehr gefallen", erinnert sie sich an ihre ersten Eindrücke. Und eben auch, dass sie sich dort im jungen Alter von 14 Jahren so informieren konnte, dasss es für jemanden ohen große Vorkenntnisse nachvollziehbar war.

"Politik? - Was geht mich da an!" - dies Antwort gilt nicht für Johanna Tilsner. Die angehende Abiturientin ist seit zwei Jahren die Vorsitzende der Jungsozialisten (Jusos) in Elze. "Politische Themen haben Einfluss auf uns alle. Interesse sollte schon allein daher vorhanden sein, weil man mitbestimmen kann - wenn man denn öchte", findet Johanna Tilsner. Das Problem: Auch nach ihrer Beobachtung "möchten" eben nur die wenigsten Jugendlichen. "Ich bin in der Schule schon eine Ausnahme", sagt sie. Zwar wüssten viele Gleichaltrige um ihr politisches Engagement, doch die Suche nach Mitstreitern bleibt zäh. "Viele sagen zwar, dass sie es toll finden, aber auch, dass sie keine Lust und keine Zeit für so etwas hätten", erläutert die 17-jährige. "Es ist einfach eine tolle Möglichkeit, ganz langsam reinzukommen und Politik zu beschnuppern", rührt sie kräftig die Werbetrommel. Das Interesse , sich verstärkt einzubrignen, sei bei ihr dann relativ schnell gekommen. Vor zwei Jahren schließlich übernahm sie das Amt als Vorsitzende der Elzer Jusos. "Es macht Spaß, sich inb lockerer Runde auszutauschen", sagt sie. Einmal im Monat trifft sich die Runde der Elzer Jungsozialisten in Biel's Gasthaus. "Wir haben keine Tagesordnung oder so, sondern reden einfach drauf los. Da kommt dann meist auch mehr raus", beschreibt sie. Und was kommt dabei raus? Wenngleich auch mal tagesaktuelle Themen der "großen Politik" auf den Tisch kommen - "wir Jusos teilen nicht immer ganz die Meinung der großen SPD" - liegt der Fokus der Elzer Gruppe auf Themen  aus der Saalestadt. "Wir versuchen, Themen und Probleme, die jüngere Menschen in Elze betreffen, zu behandeln", erläutert sie. Derzeit beispielsweise erörtern die Jusos die Problematik, wie Jugendliche am Wochenende nach dem Kino- oder Discobesuch in Hildesheim nachts zurück nach Hause auf die Ortschaften kommen können. Tilsner hofft, das Thema über die SPD-Fraktion in den Stadtrat tragen zu können. Doch auch bei den Jusos in Elze läuft nicht alles wie am Schnürchen. "Interessierte sind immer willkommen" betont Tilsner, denn auch die Gruppe in Elze ist recht überschaubar. Den "harten Kern" bilden fünf Jusos. Darüber hinaus sei es ein Kommen und Gehen. Das Problem: Zum einen sei es wie bei vielen anderen Vereinen auch: Es finden sich immer weniger, die sich engagieren wollen. Zum anderen kämpfen auch die Jusos damit, dass junge Menschen für das Studium oder den Beruf der Saalestadt den Rücken kehren. Und schließlich: "Viele wissen gar nicht, dass es Jugendorganisationen von Parteien gibt": Um dies zu ändern, versuchen die Elzer Jusos verstärkt im Internet auf sich aufmerksam zu machen."Unser Auftritt bei Facebook erreicht viele", so Tilsner. Bald soll auch eine neue eigene Internetseite an den Start gehen. Doch wie können darüber hinaus mehr Jugendliche für Politik begeistert oder gar von einer Mitgliedschaft in einer politischen Organisation überzeugt werden? Eine Lösung auf die Frage, die unzählige Berufspolitiker und ganze Armeen an PR-Beratern beschäftigt, kann man von einer 17-jährigen sicher nicht erwarten. Dennoch hat Johanna Tilsner eine Antwort parat, die wohl ein erster Schritt in die richtige Richtung sein könnte: "Politiker sprechen oft viel zu kompliziert. Ich denke, bei einer einfacheren Sprache könnten viele die Dinge eher nachvollziehen und sich selbst angesprochen fühlen". Und dies gilt wohl nicht nur für junge Menschen.